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SAMIV AG: Berater zu Schadensersatz verurteilt

 

Mit Urteil vom 26.10.2012 hat das Landgericht Gießen einen Finanz- und Versicherungsmakler verurteilt, einem Kunden, dem er Vermögensanteile an der SAMIV AG vermittelt hatte, den vollen Anlagebetrag i.H.v. 25.500 € als Schadensersatz zu zahlen.

 

Die SAMIV AG (Schweiz) hat bei einer Vielzahl von deutschen Anlegern mehrere Millionen Euro Anlagekapital eingeworben. Der seit 2003 amtierende Vorstand Michael Seidler wurde inzwischen vom Fürstlichen Landgericht in Liechtenstein wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs zu 9 Jahren Haft verurteilt. Die SAMIV AG selbst befindet sich seit 2011 in Konkurs, wobei nach Mitteilung des Konkursamts Appenzell die Anleger mit ihren Forderungen vollständig ausfallen, weshalb sie zugleich einen Verlustschein bezüglich ihrer Anlage erhielten.

 

Der zugrunde liegende Sachverhalt entspricht offenbar einem erkennbaren Muster, wie sich dies nach den uns bekannten Fällen darstellt: Die Samiv AG hat über Finanz- und Versicherungsmakler in Deutschland Kunden geworben bzw. Einlagen einwerben lassen. Diese Finanz- und Versicherungsmakler haben ihren eigenen, häufig langjährigen Kunden, deren Vertrauen sie genossen, empfohlen, ihre Ersparnisse in Vermögensanteile der Samiv AG zu investieren, obgleich viele dieser Kunden keinerlei oder allenfalls geringe Erfahrungen im Kapitalanlagebereich hatten. Hierbei wurde den Kunden zum Teil sogar eine angeblich mündelsichere Anlage, jedenfalls ohne jedes Risiko versprochen, wobei zumeist auch noch eine Verzinsung von 8,5 % p.a. in Aussicht gestellt worden war.

 

Das Landgericht Gießen hat in seinem Urteil festgestellt, dass der dort verurteile Finanzmakler im Rahmen der Beratung die Risiken der Anlage bei der SAMIV AG falsch dargestellt hat. In der Urteilsbegründung hat das Landgericht Gießen insbesondere darauf abgestellt, dass entgegen der Darstellung des Finanzmaklers es keineswegs sicher ist, dass bei einer Geldanlage kein Kapital- oder gar Totalverlustrisiko besteht, wenn das Geld treuhänderisch in Staats- und Industrieanleihen investiert wird. Sowohl bei Staats- als auch bei Industrieanleihen ist sogar ein Totalverlust möglich, wenn der Schuldner bei Fälligkeit nicht zahlungsfähig ist (allgemeines Emittentenrisiko). Dabei handelt es sich nicht um eine rein theoretische Möglichkeit, sondern es haben auch vor dem Jahr 2009 schon viele Anleger auf diese Weise erhebliche Summen verloren. Von einem Vermittler von Finanzdienstleistungen darf ein Anleger erwarten, dass er über dieses Basiswissen verfügt und nicht etwa Erklärungen abgibt, die das Gegenteil dessen aussagen bzw. Kunden mit anderslautenden Aussagen berät.

 

Dieses Urteil dürfte allen betroffenen Anlegern der SAMIV AG Hoffnung machen, ihre ggf. bereits als verloren geglaubte Einlagen zumindest von den Vermittlern zurückfordern zu können. Auch in den weiteren von uns vertretenen Fällen haben verschiedene Landgerichte bereits zu erkennen gegeben, in diesem Sinne entscheiden zu wollen, wobei mit entsprechenden Urteilen im Laufe der nächsten Monate zu rechnen ist.

 

Sofern Sie ebenfalls bei der SAMIV AG Gelder angelegt haben sollten, stehen wir Ihnen für eine Prüfung Ihrer Schadensersatzansprüche zur Verfügung. Für Rechtsschutzversicherte übernehmen wir die Deckungsanfrage.

 

Klaus Hünlein, Rechtsanwalt

Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht